Wieso sind wir so, wie wir sind? Wie funktioniert unser Gehirn? Was ist im Gehirn dafür verantwortlich, daß wir denken und fühlen? Selbst wenn die Hirnforschung bald so weit ist, dass wir wissen, wie genau im Gehirn Gefühle entstehen, ist noch immer nicht klar, wie aus den Gefühlen Geist und Verstand werden. Nur die Mischung aus Medizin, Philosophie und Psychologie können uns derzeit helfen, unser Tun und Denken einzuordnen.
Der Artikel soll dabei helfen, noch einmal darzustellen, welche Philosophen, Psychologen und Mediziner die Welt ein Stück weiter gebracht haben und welche Kernaussagen dabei eine Rolle spielen.
1597 geboren, bereicherte uns ein philosophischer Zweifler mit dem Satz “Cogito ergo sum” – Ich denke, also bin ich. Ein gewisser René Descartes, Sohn einer adligen Familie aus der Bretagne, der sich zur Lebensaufgabe machte, die Wahrheit zu finden. Seine Kernaussage war es, das Ich in den Mittelpunkt der Philosophie zu stellen. Er machte klar, dass nur eine lückenlose Beweisführung ermöglicht, Aussagen als wahr zu akzeptieren. Womöglich war sein Jurastudium für diese Ansicht mitverantwortlich. Daher mußte man die Welt aus Sicht des einzelnen Menschen, also subjektiv betrachten. Daher kann ich nur herausfinden, wer ich bin, indem ich denke!
Einen ähnlichen philosophischen Ansatz führte Ernst Mach, der nur das akzeptierte, was sich berechnen ließ oder durch Erfahrungen nachweisen lassen konnte. Ernst Mach war der Begründer der Schallgeschwindigkeit (daher Mach 2 Geschwindigkeit). 1838 im damaligen Österreich-Ungarn und heutigen Tchechien geboren, beschäftigte er sich mit Physik, Mathematik und Chemie. Allerdings hatte im Gegensatz zu Descartes Dualismus-Theorie, der Trennung von Welt und Ich, Mach die Ansicht, dass alles eins war – der so genannte Monismus.
Immanuel Kant hat in seinem Werk “Kritik der reinen Vernunft” klar gemacht, dass unser Verhalten davon abhängt, welche Erfahrungen wir gemacht haben.
Charles Darwin, ein englischer Theologe und Botaniker, veröffentlichte sein Buch “Entstehung der Arten” 1871 und stellte damit seine Theorie über die Abstammung des Menschen von den Affen dar. Ist der Mensch nun doch ein Tier, das sehr gelehrig ist? Immerhin unterscheidet sich unsere DNS nur um 3% von der DNS von Rhesusaffen. Bei Experimenten stellte man fest, dass Rhesusaffen sehr viele Ähnlichkeiten im sozialen Verhalten mit uns aufweisen. Sie haben komplizierte Beziehungen, sind glücklich, traurig, belügen und betrügen und leben in Gruppen.
Aber zurück zur Frage: Ist der Mensch ein Tier? Dazu kann uns der wohl bekannteste Philosoph des 20. Jahrhunderts weiterhelfen. Friedrich Nietzsche ist 1844 in Sachsen geboren. Bereits in der Schule wird man auf sein Talent aufmerksam. Er studiert an der Uni Bonn und wird bereits mit 25 Jahren außerordentlicher Professor an der Uni Basel, seine fehlenden Abschlüsse (Promotion und Habilitation) werden ihm einfach von der Uni verliehen – gibt es sowas heute noch irgendwo?! Er war ein Fan vom Darwinismus und hat Zeit seines Lebens darüber gesprochen, das der Mensch ein Tier ist und dass er an chronischer Selbstüberschätzung leidet, indem er sich über alles andere der Welt und damit in den Mittelpunkt stellt. Problematisch ist dabei, dass der Mensch immer nur das sieht, was er mit seinen Sinnen einfangen kann. Diese natürlichen Grenzen kann der Mensch nicht durchbrechen. Nietzsche war übrigens mit 35 Jahren bereits so platt, dass er die Professur wieder aufgab. 1900 starb der inzwischen geistig umnachtete Philosoph in Weimar.
Santiago Ramón y Cajal war ein spanischer Mediziner und gleichzeitig der größte Hirnforscher aller Zeiten, der 1906 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Er schrieb über 200 Aufsätze und 6 Bücher über Gehirne, die er an Leichen analysierte und bis ins Detail beschrieb. Nach seinem Medizinstudium wurde er Professor an der Uni in Barcelona und später in Madrid. Obwohl er an toten Gehirnen forschte, konnte er die Signalübertragungen in den Hirnregionen bereits erklären, was erst viel später von anderen Medizinern als richtig beurteilt und nachgeprüft werden konnte. Aber bis heute kann man nicht korrekt verorten, an welchen Stellen genau das Gedächtnis sitzt. Vielmehr scheinen an unserem Denken und an unseren Emotionen immer sehr viele Teile des Gehirns beteiligt zu sein.
Der 1856 in Böhmen geborene Sigmund Freud ist der Begründer der Psycho-Analyse. Er versuchte zu erklären, wie das Unbewußte das Bewußte beeinflusst. Nach seiner Theorie gab es drei Formen der Persönlichkeit, die jeder Mensch eint: das Es, das Ich und das Über-Ich. Das ”Es” war das Unbewußte, das dem menschlichen Trieb sehr nahe kommt. Darunter fallen Hunger, Sex, Neid, Liebe etc. Das ”Über-Ich” verstand Freud als Gegenspieler, worunter die sozialen Normen, die Moral etc. fallen. Dazwischen steht das “Ich”, das versucht, die beiden Gegenspieler zu vereinen, meist aber das “Es” gewinnen läßt. In den 20er Jahren war Freud ein Star. Freud war sehr von sich überzeugt, stellte seine Theorie auf eine Ebene mit Darwin und Kopernikus und erfreute sich an Kokain, während er seine Kinder vernachlässigte. In der NS Zeit wurden seine Schriften verboten und er konnte von Österreich nach London auswandern, während vier seiner fünf Schwestern in Wien blieben und von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern getötet wurden. 1939 nahm sich Freud mit einer Dosis Morphium das Leben.
Eric Kandel war ein jüdischer Mediziner, der sich im Gehirn auf die Suche nach dem Gedächtnis gemacht hat. An Seehasen hatte er viel herumexperimentiert und dabei CREB entdeckt. CREB ist ein Protein, daß bei Ausstoß durch eine Nervenzelle im Gehirn dafür sorgt, daß sich die Anzahl synaptischer Verbindungen vergrößert. Kandel hat festgestellt, daß das die Qualität der synaptischen Verbindungen für das Kurzzeitgedächtnis verantwortlich sind, die Anzahl der synaptischen Verbindungen sind für das Langzeitgedächtnis relevant.
Ludwig Wittgenstein hat 1922 eine neue neue Revolution in Gang gebracht, weil er die Sprache in den Mittelpunkt der Betrachtung stellte. Wittgenstein ist in einer wohlhabenden Familie in Wien aufgewachsen und war am Anfang seines Lebens nicht der Allerhellste. Er hat mit Ach und Krach das Abi geschafft und sich anschließend an der Technischen Uni in Berlin eingeschrieben, wo er sich für Ingenieurswissenschaften einschrieb. Das Thema Mathematik und Logik hat ihn schon immer fasziniert. Aus diesem Grund hatte er ein 1918 ein Buch mit dem Namen tractatus logico-philosophicus fertiggestellt, dass erst 4 Jahre später in einer Zeitschrift veröffentlicht wurde. Scheinbar nahm sich der Kollege sehr wichtig, so daß er jeden Satz durchnummeriert hat, um per Zeilennummer zitiert zu werden. Die Grundaussage des nicht einmal hundertseitigen Buchs war, daß Sprache in Zukunft nur noch logisch sein sollte. Damit sollte die Sprache wesentlich präziser werden als bisher, emotionale nicht erfassbare Inhalte sollten sich verabschieden und Mehrdeutigkeiten sollen nicht länger existieren. Scheinbar kam das Thema in der philosophischen Welt nicht so richtig an, daher hat Wittgenstein sich anderen Dingen des Lebens gewidmet. So war er eine Zeit lang Lehrer auf dem Land, dann war er Gärtnergehilfe in einem Kloster und schließlich hat er seiner Schwester dabei geholfen, in Wien ein riesiges Haus zu bauen, daß er auch dazu nutzte, mit dem so genannten Wiener Kreis über die Philosophie zu tagen. Nachdem er für seinen Tractatus noch einen Doktortitel bekam, wurde er noch mit 50 Jahren Professor. Am Ende seines Lebens hat Wittgenstein sich von seinem ursprünglichen Sprachlogikzirkus wieder distanziert und hat sich bei seinen Freunden für ein schönes Leben bedankt.