Verfasst von: Frank Mühlenbeck | März 29, 2008

Wenn Philosophie, Psychologie und Medizin sich treffen

Wieso sind wir so, wie wir sind? Wie funktioniert unser Gehirn? Was ist im Gehirn dafür verantwortlich, daß wir denken und fühlen? Selbst wenn die Hirnforschung bald so weit ist, dass wir wissen, wie genau im Gehirn Gefühle entstehen, ist noch immer nicht klar, wie aus den Gefühlen Geist und Verstand werden. Nur die Mischung aus Medizin, Philosophie und Psychologie können uns derzeit helfen, unser Tun und Denken einzuordnen.

Der Artikel soll dabei helfen, noch einmal darzustellen, welche Philosophen, Psychologen und Mediziner die Welt ein Stück weiter gebracht haben und welche Kernaussagen dabei eine Rolle spielen.

1597 geboren, bereicherte uns ein philosophischer Zweifler mit dem Satz “Cogito ergo sum” – Ich denke, also bin ich. Ein gewisser René Descartes, Sohn einer adligen Familie aus der Bretagne, der sich zur Lebensaufgabe machte, die Wahrheit zu finden. Seine Kernaussage war es, das Ich in den Mittelpunkt der Philosophie zu stellen. Er machte klar, dass nur eine lückenlose Beweisführung ermöglicht, Aussagen als wahr zu akzeptieren. Womöglich war sein Jurastudium für diese Ansicht mitverantwortlich. Daher mußte man die Welt aus Sicht des einzelnen Menschen, also subjektiv betrachten. Daher kann ich nur herausfinden, wer ich bin, indem ich denke!

Einen ähnlichen philosophischen Ansatz führte Ernst Mach, der nur das akzeptierte, was sich berechnen ließ oder durch Erfahrungen nachweisen lassen konnte. Ernst Mach war der Begründer der Schallgeschwindigkeit (daher Mach 2 Geschwindigkeit). 1838 im damaligen Österreich-Ungarn und heutigen Tchechien geboren, beschäftigte er sich mit Physik, Mathematik und Chemie. Allerdings hatte im Gegensatz zu Descartes Dualismus-Theorie, der Trennung von Welt und Ich, Mach die Ansicht, dass alles eins war – der so genannte Monismus.

Immanuel Kant hat in seinem Werk “Kritik der reinen Vernunft” klar gemacht, dass unser Verhalten davon abhängt, welche Erfahrungen wir gemacht haben.

Charles Darwin, ein englischer Theologe und Botaniker, veröffentlichte sein Buch “Entstehung der Arten” 1871 und stellte damit seine Theorie über die Abstammung des Menschen von den Affen dar. Ist der Mensch nun doch ein Tier, das sehr gelehrig ist? Immerhin unterscheidet sich unsere DNS nur um 3% von der DNS von Rhesusaffen. Bei Experimenten stellte man fest, dass Rhesusaffen sehr viele Ähnlichkeiten im sozialen Verhalten mit uns aufweisen. Sie haben komplizierte Beziehungen, sind glücklich, traurig, belügen und betrügen und leben in Gruppen.

Aber zurück zur Frage: Ist der Mensch ein Tier? Dazu kann uns der wohl bekannteste Philosoph des 20. Jahrhunderts weiterhelfen. Friedrich Nietzsche ist 1844 in Sachsen geboren. Bereits in der Schule wird man auf sein Talent aufmerksam. Er studiert an der Uni Bonn und wird bereits mit 25 Jahren außerordentlicher Professor an der Uni Basel, seine fehlenden Abschlüsse (Promotion und Habilitation) werden ihm einfach von der Uni verliehen – gibt es sowas heute noch irgendwo?! Er war ein Fan vom Darwinismus und hat Zeit seines Lebens darüber gesprochen, das der Mensch ein Tier ist und dass er an chronischer Selbstüberschätzung leidet, indem er sich über alles andere der Welt und damit in den Mittelpunkt stellt. Problematisch ist dabei, dass der Mensch immer nur das sieht, was er mit seinen Sinnen einfangen kann. Diese natürlichen Grenzen kann der Mensch nicht durchbrechen. Nietzsche war übrigens mit 35 Jahren bereits so platt, dass er die Professur wieder aufgab. 1900 starb der inzwischen geistig umnachtete Philosoph in Weimar.

Santiago Ramón y Cajal war ein spanischer Mediziner und gleichzeitig der größte Hirnforscher aller Zeiten, der 1906 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Er schrieb über 200 Aufsätze und 6 Bücher über Gehirne, die er an Leichen analysierte und bis ins Detail beschrieb. Nach seinem Medizinstudium wurde er Professor an der Uni in Barcelona und später in Madrid. Obwohl er an toten Gehirnen forschte, konnte er die Signalübertragungen in den Hirnregionen bereits erklären, was erst viel später von anderen Medizinern als richtig beurteilt und nachgeprüft werden konnte. Aber bis heute kann man nicht korrekt verorten, an welchen Stellen genau das Gedächtnis sitzt. Vielmehr scheinen an unserem Denken und an unseren Emotionen immer sehr viele Teile des Gehirns beteiligt zu sein.

Der 1856 in Böhmen geborene Sigmund Freud ist der Begründer der Psycho-Analyse. Er versuchte zu erklären, wie das Unbewußte das Bewußte beeinflusst. Nach seiner Theorie gab es drei Formen der Persönlichkeit, die jeder Mensch eint: das Es, das Ich und das Über-Ich. Das ”Es” war das Unbewußte, das dem menschlichen Trieb sehr nahe kommt. Darunter fallen Hunger, Sex, Neid, Liebe etc. Das ”Über-Ich” verstand Freud  als Gegenspieler, worunter die sozialen Normen, die Moral etc. fallen. Dazwischen steht das “Ich”, das versucht, die beiden Gegenspieler zu vereinen, meist aber das “Es” gewinnen läßt. In den 20er Jahren war Freud ein Star. Freud war sehr von sich überzeugt, stellte seine Theorie auf eine Ebene mit Darwin und Kopernikus und erfreute sich an Kokain, während er seine Kinder vernachlässigte. In der NS Zeit wurden seine Schriften verboten und er konnte von Österreich nach London auswandern, während vier seiner fünf Schwestern in Wien blieben und von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern getötet wurden. 1939 nahm sich Freud mit einer Dosis Morphium das Leben.

Eric Kandel war ein jüdischer Mediziner, der sich im Gehirn auf die Suche nach dem Gedächtnis gemacht hat. An Seehasen hatte er viel herumexperimentiert und dabei CREB entdeckt. CREB ist ein Protein, daß bei Ausstoß durch eine Nervenzelle im Gehirn dafür sorgt, daß sich die Anzahl synaptischer Verbindungen vergrößert. Kandel hat festgestellt, daß das die Qualität der synaptischen Verbindungen für das Kurzzeitgedächtnis verantwortlich sind, die Anzahl der synaptischen Verbindungen sind für das Langzeitgedächtnis relevant.

Ludwig Wittgenstein hat 1922 eine neue neue Revolution in Gang gebracht, weil er die Sprache in den Mittelpunkt der Betrachtung stellte. Wittgenstein ist in einer wohlhabenden Familie in Wien aufgewachsen und war am Anfang seines Lebens nicht der Allerhellste. Er hat mit Ach und Krach das Abi geschafft und sich anschließend an der Technischen Uni in Berlin eingeschrieben, wo er sich für Ingenieurswissenschaften einschrieb. Das Thema Mathematik und Logik hat ihn schon immer fasziniert. Aus diesem Grund hatte er ein 1918 ein Buch mit dem Namen tractatus logico-philosophicus fertiggestellt, dass erst 4 Jahre später in einer Zeitschrift veröffentlicht wurde. Scheinbar nahm sich der Kollege sehr wichtig, so daß er jeden Satz durchnummeriert hat, um per Zeilennummer zitiert zu werden. Die Grundaussage des nicht einmal hundertseitigen Buchs war, daß Sprache in Zukunft nur noch logisch sein sollte. Damit sollte die Sprache wesentlich präziser werden als bisher, emotionale nicht erfassbare Inhalte sollten sich verabschieden und Mehrdeutigkeiten sollen nicht länger existieren. Scheinbar kam das Thema in der philosophischen Welt nicht so richtig an, daher hat Wittgenstein sich anderen Dingen des Lebens gewidmet. So war er eine Zeit lang Lehrer auf dem Land, dann war er Gärtnergehilfe in einem Kloster und schließlich hat er seiner Schwester dabei geholfen, in Wien ein riesiges Haus zu bauen, daß er auch dazu nutzte, mit dem so genannten Wiener Kreis über die Philosophie zu tagen. Nachdem er für seinen Tractatus noch einen Doktortitel bekam, wurde er noch mit 50 Jahren Professor. Am Ende seines Lebens hat Wittgenstein sich von seinem ursprünglichen Sprachlogikzirkus wieder distanziert und hat sich bei seinen Freunden für ein schönes Leben bedankt.

Verfasst von: Frank Mühlenbeck | Februar 19, 2008

Mit NLP seinen Zustand verändern

“Mensana in corporisana”. Dieser lateinische Satz, der auf Deutsch übersetzt soviel heißt wie “In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist” beschreibt ein Denkmodell von NLP. Psyche und Physiologie hängen zusammen, aus diesem Grund kann man beispielsweise mit seinem Körper seine Psyche und damit seinen Zustand verändern.

Ein Beispiel:

Stellen Sie sich auf beide Füße. Lassen Sie die Hände auf den Boden hängen. Schauen Sie auf ihre Zehenspitzen. Denken Sie nun zurück an ein Ereignis, daß Sie traurig gemacht hat. Stellen Sie sich vor, wie Sie sich damals gefühlt haben. Stellen Sie sich vor, was Sie gedacht haben. “Wieso bin ich der Depp?” oder Ähnliches? Behalten Sie diesen Zustand eine Minute bei.

Lassen Sie nun die Erinnerung wieder los. Jetzt schütteln Sie sich. Hüpfen sie kurz 3 mal auf und ab.

Stellen Sie Ihre Füße schulterbreit auf und spannen Sie Ihre Waden an. Halten Sie diese angespannt und spannen Sie nun auch Ihre Oberschenkel an. Nach ca. 10 Sekunden spannen Sie zusätzlich Ihre Gesäßmuskulatur und Ihren Rumpf an. Spannen Sie die Bauchmuskulatur und die Brustmuskulatur an. Strecken Sie nun beide Arme zur Decke und ballen Sie Ihre Hände zu Fäusten. Spannen Sie Ihre Rückenmuskeln und Ihre Armmuskeln an. Schauen Sie zur Decke, setzen Sie das breiteste Grinsen auf, dass Sie haben und sagen Sie laut “Ich schaffe alles!” Bleiben Sie nun genau in diesem Zustand und versuchen Sie noch einmal, deprimiert zu sein, so wie kurz davor.

Das klappt nicht! Ihr Gehirn verbietet Ihnen geradezu, sich in einem solch gestärkten physiologischen Zustand schlecht zu fühlen. Sie haben nun festgestellt, daß Sie sehr einfach Ihren Zustand verändern können, und zwar zu jeder Zeit.

Diese Technik kann man auf diverse Weise nutzen. Wenn Sie das nächste Mal vor einer Gehaltsverhandlung zum Chef gehen, wenn Sie einen großen Vortrag halten müssen, wenn Sie ein Verkaufsgepräch haben oder wenn ein unangenehmes Familiengespräch bevorsteht. Bringen Sie sich in die richtige Stimmung und nutzen Sie ihre Ressourcen, denn die richtige Stimmung ist für die Erreichung Ihrer Ziele extrem relevant!

Verfasst von: Frank Mühlenbeck | Februar 19, 2008

Kann man Menschen programmieren? Die ersten Schritte von NLP.

NLP steht für Neuro Linguistisches Programmieren. Grundansatz dieser Tätigkeit ist die Annahme, daß Menschen in Programmen denken und Programme, also Denk- und Verhaltensmuster in ihrem Gehirn abspeichern. Einmal erlernte Programme können immer wieder bewußt und später unbewußt aufgerufen werden. NLP Denker halten es für eine Fehlannahme der Menschheit, daß man einmal erlernte Programme nicht ändern kann.

 Ein klassisches Beispiel für die Nutzung von NLP Techniken ist die Angstbekämpfung. Während die klassischen psychotherapeuthischen Programme mit Konfrontation arbeiten, geht NLP einen anderen Weg. Dabei spielt man – einfach erklärt – das Programm, in diesem Fall die Erinnerung im Kopf ab, füllt diese mit neuen Eindrücken, beispielsweise mit lustiger Hintergrundmusik, und am Ende läßt man das Programm rückwärts ablaufen, wie wenn man einen Film im Videorecorder im Bildlauf zurückspult. Klingt verrückt?

Ein anderes Beispiel für ein erlerntes Programm ist die Tür. Bei einem NLP Experiment wurden die Tester vor eine Tür gestellt, die sie öffnen sollten. Das einzige Problem war, daß die Türangel an der Seite war, an der auch die Türklinke saß. Keiner der 10 Probanden schaffte es innerhalb der ersten 10 Minuten, die Tür zu öffnen – das Programm, wie man Türen öffnet, war bereits im Unterbewußtsein abgespeichert.

 Neben dem NEURO-logischen Ansatz kommt die Linguistik ins Spiel. Wie übermitteln Sie Botschaften? Wie sollte eine Botschaft strukturiert sein, um beim Adressaten anzukommen? Wie können Sie mit Ihrer Stimme arbeiten? Als gängige Beispiele für NLP Sätze gilt beispielsweise der negierte Satz: “Denke nicht an Elefanten mit rosa Punkten!” Das Gehirn des Menschen ist nicht dafür gemacht, negierte Sätze zu verstehen, d.h. das Wort “nicht” wird einfach ignoriert. Oder woran haben Sie gerade gedacht?

Mittels solcher linguistischer Techniken lassen sich Botschaften in Sätze einfügen, die nur das Unterbewußtsein des Adressaten erreichen.

Die Kommunikation kann visuell (sehen), auditiv (hören), kinästhetisch (fühlen), olfaktorisch (riechen) und gustatorisch (schmecken) erfolgen. Wenn die Kommunikation beim Adressaten ankommt, werden erlernte Filter, also Programme in Form von erlernten Erinnerungen, Werten, Verzerrungen und Überzeugungen darauf angewendet.

 In den folgenden Artikeln über NLP werde ich auf verschiedene Techniken und Übungen in der Praxis eingehen.

Verfasst von: Frank Mühlenbeck | Januar 29, 2008

Viral-Marketing und der Tipping Point – Wie man Botschaften verbreitet

Der Tipping Point ist der Punkt, an dem eine Botschaft sich verbreitet. Wie man bei einer Verbreitung einer Botschaft den Tipping Point erreichen kann, lernt man beispielsweise aus dem Buch “Tipping Point” von Malcom Gladwell.

Der Tipping Point. Wie kleine Dinge Großes bewirken können.

Der Tipping Point hat unterschiedliche Faktoren.

Der Faktor Person

So gibt es Personen, die über sehr große Netzwerke verfügen. Gleichzeitig haben sie die Gabe, etwas zu verbreiten.

Früher dachte man, daß Personen dann miteinander funktionieren, wenn eine Person die andere in ihrer Haltung und ihrer Art zu reden kopiert. Diese Info wird bis heute gern in Büchern über NLP (Neurolinguistische Programmierung) vertreten. Laut Gladwell ist diese Theorie veraltet. Heutzutage geht man zu der Annahme über, dass es Menschen gibt, die eine Art “Ton” oder “Rhythmus” vorgeben. Sie dominieren die andere Person oder mehrere Personen automatisch. Genau diese Eigenschaft ist wesentlich für einen Spreader, einen Verbreiter von Botschaften.

Der Faktor Verankerung

Die Information, d.h. die Botschaft muß sich im Adressaten der Botschaft verankern. Eine lange Studie in den 60igern über die Sesamstraße hat gezeigt, wie lange man eine Botschaft testen und verändern und erneut überprüfen muß, bis sich die Botschaft beim Adressaten, in diesem Fall bei Kindern im Vorschulalter verankern läßt.

Ein anderes Beispiel stammt aus einem Versuch, Studenten einer Universität darüber zu informieren und dazu aufzurufen, sich impfen zu lassen. Hier wurden zwei Botschaften erstellt, eine nüchterne Informationsbroschüre und eine aufrüttelnde Broschüre mit erschreckendem Bildmaterial. Die Studenten reagierten zwar heftiger bei der bebilderten Broschüre, trotzdem ließen sich kaum mehr Studenten impfen. Erst bei einem zweiten Versuch, bei dem auf der Broschüre zusätzlich ein Gebäudeplan mit Erklärung des Standortes der lokalen Impfstation eingebaut wurde, konnten sehr viel höhere Zahlen an Impfungen registriert werden.

Der Faktor Umwelt – Situation

Je nachdem, in welcher Umgebung und in welcher Situation die Botschaft auf einen Empfänger trifft, kann sich die Botschaft verbreiten oder eben nicht. Daher sind die Umstände bei einer viralen Strategie zu berücksichtigen. Gladwell beschreibt sehr anschaulich die Problematik in der Vergangenheit von New York, die eine sehr hohe Verbrechensrate hatten. Die Lösung des Problems lag darin, die Umweltumstände zu verändern. Als entscheidende Strategie wertet er die Säuberung des U-Bahn-Systems, so daß keine Graffitis mehr zu finden waren. Diese waren maßgeblich dafür verantwortlich, daß Menschen Unrecht als “normalen Lebensumstand” empfanden. Weitere Schritte wie die Erstellung von polizeilichen mobilen Einheiten, die Schwarzfahrern Handschellen anlegten etc. führten schließlich dazu, daß die Verbrechensrate sank.

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